Simon Gschnell. Aus dem Leben eines Mörders
Über den ganzen Sommer 2007 hin zog sich die Arbeit der Videowerkstatt BLUEBOX an der historischen Filmdokumentation „Simon Gschnell. Aus dem Leben eines Mörders“. Der Film wurde an verschiedenen Orten des Landes Südtirol gedreht und bezog an die 30 Laienschauspieler aus ganz Südtirol mit ein. Im Frühjahr 2008 wurde der Film öffentlich aufgeführt.
Es spielen:
Christoph Tauber ... Simon Gschnell
Andreas Federspieler .... Aktuar Michael Patscheider
Miriam Kaser ... Elisabeth Parigger
In weiteren Rollen:
Anna Leitner
Alois Unterfrauner
Benedikt Troi
Bernhard Pircher
Christine Jaist
Claudia Fischnaller
Daniel Rabanser
Doris Brunner
Egon Daporta
Egon Seebacher
Elisabeth Mayrhofer
Flora Nöckler
Florian Ploner
Franz Baumgartner
Hannes Zingerle
Hansjörg Ebnicher
Heidi Troi
Hermann Stablum
Jakob Gafriller
Jonathan Troi
Josef Rainer
Katharina Gschnell
Klara Amplatz
Leo Dariz
Magdalena Troi
Markus Prieth
Norbert Alberti
Patrick Kaneider
Peter Troi
Reinhard Tscholl
Verena Zelger
Walter Dietl
Wilfried Kaserer
Wolfgang Pider
Experten:
Univ. Doz. Dr. Hans Heiss
Ao. Univ. Doz. Dr. Helmut Alexander
Univ. Doz. Prim. Dr. Reinhard Haller
Recherche:
Andreas Fischnaller
Sprecher:
Andreas Sparberg
Kamera und Schnitt:
Thomas Troi
Musik:
Markus Prieth
Der Film wurde im Februar 2008 öffentlich aufgeführt und erhielt eine große Medienaufmerksamkeit.
Presseecho
„Es war die letzte öffentliche Hinrichtung in Brixen und hinterließ in der Bevölkerung einen bleibenden Eindruck, der sich in zahlreichen Anekdoten und Legenden festsetzte. Der einstündige Dokumentarfilm “Simon Gschnell. Aus dem Leben eines Mörders” von Thomas Troi und Andreas Fischnaller beschäftigt sich mit der Biographie des Verurteilten, mit der Frage nach den Ursachen seines Verhaltens, den historischen Rahmenbedingungen und dem Prozessverlauf, der zu den aufwändigsten und längsten der Habsburger Monarchie zählte. Anschauliche Spielszenen wechseln im Dokumentarfilm mit Experteninterviews ab, in denen der renommierter Gerichtspsychiater Reinhard Haller sowie die Historiker Hans Heiss und Helmut Alexander weitere interessante Informationen vermitteln. Als Grundlage für den Dokumentarfilm diente die erste wissenschaftliche Aufarbeitung des Falls Simon Gschnell durch den Historiker Andreas Fischnaller: Die im Film vorkommenden Zeugenaussagen und Charakterisierungen Simon Gschnells wurden aus den originalen Verhörprotokollen übernommen, alle Filmfiguren sind historisch belegt, und auch die Aussagen des Simon Gschnell sind in den Prozessunterlagen festgeschrieben. In den verschiedenen Rollen sind rund dreißig Südtirolerinnen und Südtiroler zu sehen. Der Film entstand im Auftrag des Theaterpädagogischen Zentrums Brixen (TPZ), Drehbuch, Kamera und Schnitt stammen von Thomas Troi, die Filmmusik komponierte Markus Prieth, und Andreas Fischnaller hat das Filmprojekt wissenschaftlich begleitet.“
„Das mörderische Schneiderlein
Der Dokumentarfilm “Simon Gschnell - aus dem Leben eines Mörders” von Thomas Troi und Andreas Fischnaller erzählt die Biographie eines jungen Mannes, der 1826 in Brixen öffentlich hingerichtet wurde. Er hatte reuelos gestanden, die “Gramplerin” Elisabeth Parigger am Jaufenpass ermordet zu haben.
Simon Gschnell erzählt in seriöser Doku-Attitüde eine Mörder-Biographie. Das Mischwerk aus Spiel und Dokumentation beruht auf historischem Material, das im Überfluss vorhanden ist. Denn das Verfahren gegen Simon Gschnell dauerte neun Monate, und in 51 Verhören wurden 1625 Frage gestellt - Stoff genug für einen ganzen Spielfilm, aber vor allem auch ein Zeichen dafür, dass Simon Gschnell die Obrigkeiten des Gerichtes faszinierte - als skrupelloser Böser, als asozialer Psychopath der als geheimnisvoller Anarchist.
”Was tut man denn mit dem Geld, als verfressen und versaufen? Was haben denn die Leute, wenn sie sich nichts zukommen lassen und das Geld zusammenhäufen und verschimmeln lassen? Dann raufen nach ihrem Tod die Erben darum und der Hund schifft ihnen auf das Grab. “ Diese nahezu philosophischen Gespräche mit Theologieprofessor Franz Xaver Josef Stadler zeigen, dass im saufenden, stehlenden und strolchenden Schneiderlehrling aus Kaltern mehr als nur ein narzistischer Mörder verborgen war.
Das historische Umfeld fasst der Film kaum ins Blickfeld, immerhin war Simon Gschnells Todesurteil das letzte, das Brixen gefällt hatte, irgendwo zwischen Aufklärung und Reaktion. Deutlich mehr als Historiker Hans Heiss hatte Gerichtspsychiater Reinhard Haller zu sagen. Denn dem Film geht es vor allem darum, wie aus dem fahrigen Kalterer Bauernbub ein skrupelloser Mörder werden konnte. Die Voraussetzung dafür waren denkbar gut: psychisch labile Eltern, ein zugrunde gewirtschafteter Hof, eine Schneiderlehre mit Erniedrigungen und Schlägen. Mit Diebstählen kommt der junge Simon Gschnell dann auf die schiefe Bahn der Sterzinger Bande, die nicht nur Vogelscheuchen das Kopftuch stahl.
Auch wenn der Film durchaus ehrlicher reißerisch hätte erzählt werden können, gibt er gute Einblicke in die Geschichte eines Südtiroler Gewaltverbrechens, wozu die oft authentisch wirkenden Laienschauspieler viel beitrugen.“